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Sonderpädagogik und Me(eh)r.
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18 Dinge, die ich 2018 (als Lehrerin) gelernt habe.

Oder: Ein etwas anderer Jahresrückblick.

18 Dinge, die ich 2018 als Lehrerin gelernt habe:

  1. Das Referendariat hat seine eigenen Gesetze. Und zwar gute und schlechte. Und die, die keiner verstehen muss.
  2. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Eine abgedroschene Lebensweisheit, die im Bezug auf das Lehrersein durchaus wahre Momente hat. Sei es in Bezug auf das Referendariat, dass weniger Schrecken birgt, als viele (nicht alle!) erzählen. Oder sei es im Schulalltag, in dem man sich im ersten Moment vielleicht mehr einen Kopf um Dinge macht, die sich als nicht besonders relevant heraus stellen.
  3. Selbstkritik kann dein größter Feind sein. Daran musste ich mich 2018 sehr erinnern. Und so ganz gelingt es mir immer noch nicht, diese oft sehr harte Selbstkritik, die ich mir und meinem Unterricht entgegen bringe, abzulegen. Aber ich arbeite daran!
  4. Was meine Lehrerpersönlichkeit ausmacht. Ich bin eine nette Lehrerin. Eine, die ruhig und konsequent ist. Die ihre Schüler und Schülerinnen mag. Es ihnen sagt. Die jedem einzelnen von ihnen jeden Tag eine neue Chance gibt, sich zu beweisen. Die auf persönliche Bindung anstatt Bestrafungen setzt. Eine Lehrerin, die für alle da ist.
  5. Was meine Lehrerpersönlichkeit mit mir macht. Ich bin ich. Auch als Lehrerin. Und meine Lehrerpersönlichkeit wurde dieses Jahr viel gelobt. Und das macht mich stolz. Und hilft mir, meine innere Kritikerin zu besänftigen. Denn meine Lehrerpersönlichkeit ist ein Teil von mir und lässt sich nur schwer ändern – und zum Glück muss ich das auch nicht
  6. Was meine Lehrerpersönlichkeit mit Schülern macht. Ich habe erlebt, wie die größten Rowdys sich in den Besuchsstunden zusammen reißen. Wie sie nett und zuvorkommend sind. Wie sie meine Aufmerksamkeit wollen, mit allen positiven (!) Mitteln, die ihnen zu Verfügung stehen. Wie sie voller Neugier und Interesse sind, wie anders sie sich verhalten, wenn sie in meinem Unterricht sind. Und wie sie mich immer wieder überraschen. Und wie sie wachsen, wenn ich sie lobe.
  7. Warum man nicht zum Einzelkämpfer werden darf. Es hilft niemanden. Und am wenigsten einem Selbst. Einzelkämpfertum in einem so sozialen Beruf ist nicht besonders förderlich.
  8. Das Leben besteht nicht nur aus Schule. Und das würde ich am liebsten nochmal in Großbuchstaben geradezu herausschreien. Vergiss dein verdammtes Sozialleben nicht! Du hast Freunde, Familie – und es ist wichtig, Zeit mit diesen zu verbringen. Egal wie stressig alles andere gerade ist. Es geht einem so viel besser, wenn man seine Freunde und seine Familie gesehen hat. Glaubt mir.
  9. Lass Ausgleich Ausgleich sein. Ausgleich ist nicht gleich Ausgleich. Auch wenn ich in meiner freien Zeit gern Material erstelle und das auch durchaus als Ausgleich ansehe – es ist keiner. Ausgleich ist nur Ausgleich, wenn er – wie der Name schon sagt – Aus gleich schafft. Also wirklich etwas ist, bei dem man abschaltet und sich wenigstens für eine begrenzte Zeit, mit etwas anderem beschäftigt. Sei es Sport, Kunst, Bücher oder etwas ganz anderes.
  10. Ich ruhe in mir. Mir wurde dieses Jahr öfter äußere und innere Ruhe bescheinigt, als ich zählen kann. Vielleicht sogar ein bisschen öfter, als ich es selbst tatsächlich verspürt habe. Aber im großen und ganzen stimmt es. Ich ruhe in mir. Und das ist eine unschätzbare Stärke von mir.
  11. Krank ist krank. Auch so etwas, was unheimlich vielen Lehrkräften nur sehr schwer fällt zu akzeptieren. Und davon will ich mich nicht ausnehmen. Aber ich habe 2018 mehr auf meinen Körper gehört, war schneller bereit, die Schule Schule sein zu lassen und mich auch tatsächlich zu schonen, falls es notwendig sein sollte.
  12. Es schadet nicht, danke zu sagen. Auch daran muss ich mich immer wieder erinnern. Einfach mal danke zu sagen. Für alles, was der Gegenüber tut. Auch für Kleinigkeiten kann man sich bedanken. Es kostet nichts, tut einem selbst gut und auch dem Gegenüber.
  13. Lob annehmen. Umgekehrt einfach mal Lob annehmen. Mit einem danke. Und kein “…aber” dahinter zu setzen. Es fällt mir immer noch schwer – aber es wird besser!
  14. Verantwortung abgeben. Ich bin nicht für alles verantwortlich. Ich bin für meinen Teil der Dinge verantwortlich, nicht für den Rest.
  15. Nein sagen. Analog zum Thema Verantwortung abgeben – einfach mal nein sagen. Nein zu “kannst du mal schnell” nein zu “es macht dir doch nichts aus…” und nein zu “das machst du schon” – und nicht der Versuchung zu erliegen, allem sofort zu zu stimmen. Auch das ist ein Punkt, der besser wird – aber nicht ideal ist.
  16. Nicht von mir selbst auf andere schließen. Nur weil ich etwas Bestimmtes mache oder mir Bestimmte DInge wichtig sind, sind sie meinem Gegenüber vielleicht nicht wichtig. Und mich da nicht einzumischen – das habe ich 2018 gelernt.
  17. Die unterschiedlichen Lehrerpersönlichkeiten akzeptieren. Und zwar, ohne das ich meine Meinung dazu kund tun muss. Denn das kann verletzen. Leben und Leben lassen ist hier die Devise.
  18. Öfter auf das eigene Bauchgefühl hören. Daran musste ich mich auch 2018 immer wieder erinnern. Und jedes Mal, wenn ich auf mein Bauchgefühl gehört habe, war es eine gute Entscheidung. Daran möchte ich auch 2019 anknüpfen.

Das waren meine 18 Dinge, die ich als Lehrerin 2018 gelernt habe. Ich hoffe, 2019 wird genauso lehrreich. Verratet mir gern, was ihr 2018 neues gelernt habt! Ein frohes neues Jahr, meine Lieben!

1 Comment

  1. Auch nach 25 Dienstjahren mit turbulentem Familienleben stimme ich deinen 18 Punkten von ganzem Herzen zu.
    Auch große Schulkrisen lassen sich so überleben.
    In der Ruhe liegt die Kraft.
    Gott sei Dank

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