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Rituale im Unterricht 1: Steine und Federn

Mein Unterricht lebt von Ritualen. Sie helfen mir und auch meinen Schülerinnen und Schülern dabei, die Übersicht zu behalten, stimmen auf den Unterricht ein und beenden ihn. Ich möchte mit euch meine liebsten Rituale teilen – vielleicht inspirieren sie euch!


Wofür brauchen wir Rituale?

Unser Leben besteht zu einem großen Teil aus Ritualen. Wir stehen zu einer bestimmten Uhrzeit auf, haben unseren bestimmten, morgendlichen Ablauf (gerne auch “Routine” genannt) und ritualisieren so schon unseren Morgen. Und wir brauchen das. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – der gleiche, rituelle Ablauf gibt uns Sicherheit und das Gefühl von Geborgenheit. Und wer will diese Gefühle nicht auch bei den Schülerinnen und Schülern hervor rufen? Rituale in der Schule geben den Kindern ebenso Sicherheit, Verlässlichkeit und das Gefühl von Geborgenheit, wie es Rituale zu Hause tun. Als Lehrkräfte können wir uns aussuchen, wie diese Rituale aussehen. Rituale können die Struktur des Tages und der Stunden verändern und helfen dabei, sich auf den Unterricht einzustimmen.
In dieser kleinen Reihe möchte ich euch gern meine liebsten Rituale zeigen und euch ein wenig inspirieren. Teilt mir gerne eure liebsten Rituale mit!

Ritual 1: Steine und Federn

Heute soll es zunächst um mein Ritual in der ersten Klasse gehen. Ich starte in dieser Klasse seit unserer Einheit zu den Gefühlen immer mit dem Steine und Federn Ritual.

Ablauf

Das Ritual läuft immer gleich ab. Wir sitzen im Stuhlkreis. Ich gebe eine Schale mit Steinen und eine Schale mit Federn herum. Die Schülerinnen und Schüler überlegen, wie sie sich fühlen und nehmen dann eine Feder oder einen Stein. Das erste Kind beginnt mit dem Satz “Ich fühle mich leicht wie eine Feder, weil..” oder “Ich fühle mich schwer wie ein Stein, weil…” und berichtet, warum er oder sie sich so fühlt. Da können ganz unterschiedliche Sachen rauskommen – von “Ich fühle mich schwer wie ein Stein, weil xy mich in der Pause gehauen hat” bis hin zu “Ich fühle mich leicht wie eine Feder, weil ich heute Fußball habe” gibt es eine breite Spannbreite und die Kinder können selber entscheiden, wie “persönlich” sie das gestalten wollen. Nach dem sie einen oder zwei Sätze gesagt haben, dürfen sie die Gegenstände wieder in die Schalen legen. Wenn ein Kind etwas hört, was es auch sagen wollte, darf es seinen Stein oder seine Feder dazu legen. Dadurch vermeiden wir Doppelungen und fördern gleichzeitig das genaue Zuhören.
Und – das finde ich ziemlich wichtig – niemand MUSS etwas sagen. Es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn ein Kind zu einem der beiden Gegenstände oder zu beiden nichts sagen möchte. Dann legt das Kind einfach seine Gegenstände zurück und sagt “Ich möchte nichts sagen”.

Vorteile und Nachteile

Vorteile:

Nachteile:

+ Gespräch über Gefühle
+ Aktuelle Stimmung (und Grund für die Stimmung) kann erfasst werden
+ die Schülerinnen und Schüler fühlen sich wahr und ernst genommen – von der Lehrkraft und den anderen Schülerinnen und Schülern
+ die Kinder lernen sich gegenseitig und die Lehrkraft besser kennen
+ Symbolgehalt von Feder/Stein wird wiederholt
+ für Sprachförderung geeignet (gleiche Satzstruktur, Nebensatzkonstruktionen mit weil können ritualisert geübt werden)

-kostet viel Zeit – geht also nur bei kleinen Klassen
– Schülerinnen und Schüler müssen sich drauf einlassen können
– Kinder müssen zuhören können

Fazit

Das Steine und Federn Ritual eignet sich nicht für jede Klasse. In eher kleinen Klassen kann es aber gut genutzt werden, um die Kinder füreinander und für ihre eigenen Gefühle zu senisibilisieren. Es fördert die Offenheit der Kinder gegenüber der Lehrkraft und anderen Schülern und eignet sich gut für die Sprachförderung. Für meine erste Klasse ist es genau das richtige Ritual – es hilft den Kindern mit Sprachschwierigkeiten, in einer gesicherten Umgebung geübte Satzstrukturen anzuwenden und fördert die Kommunikation in der Klasse.

Schreibt mir gerne, wie ihr das seht. Würdet ihr das Ritual einsetzen? Wenn ja, warum? Und in welcher Klasse? Wenn nein, warum nicht? Teilt mir gern eure Gedanken in den Kommentaren mit.

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