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Begrüßungsritual – Alle Sprachen in der Klasse

Meine letzte Fortbildung war eine DaZ-Basisqualifizierung, in deren Verlauf ich u.a. viele Sprachspiele kennen lernte. Diese sollten uns als Lehrkräfte sensibilisieren für die Schwierigkeiten, die Kinder haben können, mit einer fremden Sprache.

Eines der Spiele beruhte auf der Basis, dass man sich in einer anderen Sprache als Deutsch begrüßt und verabschiedet.

Der Gedanke rumorte den ganzen Tag in mir und ich trug ihn auch am nächsten Tag in meine eigene Klasse (Jahrgangsstufe 6). Ganz nebenher fragte ich mal, wer welche Sprache spricht und sie begannen alle direkt begeistert aufzuzählen, was sie alles können. Summa summarum hatten wir am Ende 17 Sprachen zusammen, verteilt auf 24 Kinder plus mein altes Latein (weil sie mich dann auch fragten, welche Sprachen ich könnte).

Die ersten 4 durchgeführten Sprachen und deren Hinweisumsetzung mithilfe von Sketchnotes

In der Fortbildung hatten wir das mit Russisch durchprobiert, dementsprechend bildete das für mich die Grundlage, doch wie sollte ich das umsetzen? Die Lösung kam schnell: Sketchnotes! Kurz zuvor hatte ich mich mit dem Thema beschäftigt und auch ein Buch gekauft, mit dem ich jetzt anfing zu arbeiten. Es entstand für Russisch ein kleiner Hinweis inklusive Flagge, welchen ich am nächsten Tag mitbrachte. Ich wusste, dass ich zwei Kinder hatte, die die russische Sprache beherrschten und bat sie, dass sie mich verbessern mögen, wenn ich eine komplett falsche Aussprache hätte. Lachen wäre auch erlaubt.

Sagen wir es so: Sie bekamen viele Gelegenheiten mich zu verbessern und auch das Lachen fand seinen Platz. Mein Kommentar dazu war nur: “Man muss auch mal bereit sein sich zum Affen zu machen, um jemandem etwas beizubringen.”

Zum Ablauf:

Der Hinweis auf die Tagessprache wurde angepinnt. Die Vorgabe war, dass ich vorspreche und die Kinder die Begrüßung zurückgeben. Ebenso gab ich auch die Verabschiedung vor, die nachgesprochen wurde. Es kam anscheinend sehr gut an, weil sie sich sowohl im Rausgehen, als auch am nächsten Tag noch damit beschäftigten und die beiden russischsprechenden Kinder immer wieder gefragt haben, ob es denn nun richtig ausgesprochen worden sei.

Was folgte daraus?

In der nächsten Stunde kam dann die Frage, die ich erhofft hatte: „Fr. Robbe, können wir das mit allen Sprachen jeden Tag machen?“ Also notierten wir nochmal alle Sprachen auf Zettel, aus denen jeweils immer die Sprache für den nächsten Tag ausgelost werden sollte. Auch der kleine Hinweis sollte weiterhin bestehen, sodass ich also auch meine Aufgabe hatte, weil die Kinder selbst ihre Sprachen vorstellen wollten. Sprich: Ich gebe meine Begrüßungsverantwortung an die Kinder ab. Wider Erwarten funktionierte das ganz gut. Also Mut zur Lücke und auch mal eine feste Aufgabe abgeben.

Es kam die Frage auf, was wir denn machen, wenn wir alle Sprachen „aufgebraucht“ hätten, die aufgeschrieben wurden. Die Kinder selbst lieferten die Antwort: „Dann googlen wir eben nach Begrüßungen in anderen Sprachen!“

Der Hinweis bleibt übrigens den ganzen Tag an der Tafel angepinnt, sodass auch die anderen Kolleginnen und Kollegen damit einsteigen könnten, wenn sie es wollen.

Kurze Reflexion

Nach den ersten 1-2 Tagen mit dieser Methode habe ich die Kinder reflektieren lassen, warum wir das machen und welchen Sinn es haben könnte. Sie kamen ziemlich schnell darauf, dass es ja sehr schwer sei eine andere Sprache direkt zu verstehen und nachzusprechen. Sie zeigten sehr viel Empathie für diese Situation und ich glaube, dass sie mithilfe dieser Methode doch einen Schritt weiter in ihrem Sozialverhalten sind, als vorher.

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